Ambisonics-PlugIns

Für das Projekt die Wunschmaschinen wurden am Institute for Computer Music and Sound Technology der Zürcher Hochschule der Künste, Departement Musik PlugIns entwickelt, weche in jedem VST-fähigen Audiohost eingesetzt werden können. Die PlugIns machen sich die Pluggo-Schnittstelle von Cycling74 zunutze, um das Ambisonics-B-Format ‚hinter‘ dem eigentlichen Audiohost zu verarbeiten und wieder in dessen Audiokanläle/Audioausgänge hinein zu decodieren.

Die Plugins dienen der Verarbeitung (z. B. dem Schnitt) von B-Format-Dateien, der räumlichen Platzierung und Bewegung von Klangquellen im ambisonischen Raum - und der Automatisation derselben. Der Encoder und Decoder sind in unterschiedlichen Auflösungen auswählbar, von 1. bis 3. Ordnung. Im Cockpit können Lautsprecher-Position und -Anzahl eingegeben werden (Elevation, Azimuth und Distanz): Der ‚virtuelle‘ akustische Raum wird dann in einem Kreis (1. Ordnung), in einer Halbkugel (2. und 3. Ordung) oder in einer Kugel auf das Wiedergabesystem gerechnet. Alle Einstellungen können als XML-File extern gespeichert werden.

Die den AmbiplugIns zugrundeliegenden Ambisonics-Exterals für MAX MSP sind von Philippe Kocher und Jan Schacher am ICST entwickelt worden. Die PlugIns sind von Jan Schacher programmiert und implementiert worden.








Surround: Ambisonics

Die Raumklangtechnologie Ambisonics wurde in den 1970er Jahren vom britischen Mathematiker Michael Gerzon entwickelt. Ursprünglich handelte es sich um eine besondere Mikrofontechnik, mit der eine mehrkanalige Aufnahme erstellt wird, welche die räumliche Information des Schallfeldes trägt und schließlich über ein Lautsprechersystem derart wiedergegeben werden kann, dass sich der Eindruck dreidimensionalen Hörens einstellt. Zur Wiedergabe wird ein Decoder benötigt, der die Signale für die einzelnen Lautsprecher errechnet. Tatsächlich handelt es sich hier um eine große Stärke, die Ambisonics gegenüber anderen Raumklangtechniken hat: Man ist an keine fixe Lautsprecherkonfiguration gebunden. Bleibt man innerhalb vernünftiger Grenzen, was Minimalzahl und Symmetrie angeht, ist man frei in der Anordnung der Lautsprecher und kann sie den jeweiligen Gegebenheiten und der Form des Raumes anpassen.

Zu den weiteren vorteilhaften Eigenschaften von Ambisonics zählt die Tatsache, dass keine Raumrichtung bevorzugt wird. Dies im Gegensatz zu Raumklangtechniken, die im Zusammenhang mit dem Film entwickelt wurden und eindeutig nach vorne zur Bildfläche hin ausgerichtet sind. Ferner ist bei Ambisonics der Bereich, in dem sich das optimale räumliche Klangempfinden einstellt – der „sweet spot“ – merklich größer als bei anderen Formaten. In der Tat mag es für den Heimgebrauch reichen, wenn dieser bloß einer Person Platz bietet, für öffentliche Aufführungen sollte aber auch einer umfangreicheren Zuhörerschaft ein überall ähnlich gutes Hörerlebnis geboten werden.

Ambisonics am Institute for Computer Music and Sound Technology

Das Institute for Computer Music and Sound Technology ICST der Zürcher Hochschule der Künste, Departement Musik, wurde im Januar 2005 ins Leben gerufen. Als Folge der Gründung von Fachhochschulen in der Schweiz wurde vom Bund an die neuen Schulen ein Forschungsauftrag gerichtet. Forschung im Bereich der Computermusik – an der damaligen HMT schon seit Jahren betrieben – erhielt mit dem neuen Institut ein größeres Gewicht und einen festen Rahmen. Das Institut ist in die beiden Abteilungen Computer Music und Sound Technology gegliedert. Ein besonderes Gewicht liegt auf Forschungsprojekten, in welchen diese beiden Bereiche zusammenwirken.

Seit 1999 finden im Rahmen des Forschungsprogramms der ehemaligen Hochschule Musik und Theater Zürich Arbeiten auf dem Gebiet der räumlichen Klangprojektion für den Konzertsaal statt. Anwendungen sind entwickelt worden zur interaktiven Kontrolle von Schallquellen im virtuellen Raum, teilweise in Zusammenarbeit mit der Universität von York. Das Institut verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz in der Aufführung von ambisonischen Konzerten. Zu erwähnen ist hier die mobile Ambisonics-Anlage, ein Wiedergabesystem, das in seinen Möglichkeiten und seiner Flexibilität auf die anspruchsvollen Erfordernissen ambisonischer Konzerte zugeschnitten wurde. Philippe Kocher/Peter Färber